Oliver Treuter: „Von einem der auszog Häuser zu bauen“

Sozialpraktikum Anna Luisa Paffhausen, 2004
Juli 9, 2004
Praktikumsbericht von Eva Friedrich, September 2011
September 10, 2011

Über Langweile konnte ich mich als wandernder Zimmermann nie beklagen. Auch spontane Absprachen mit den unterschiedlichsten Leuten gehören zum Alltag von Bauhandwerkern auf der Walz, doch eine Arbeitseinladung nach Brasilien stellt auch hier eher eine Ausnahme dar.

 

 

Mit vagen Informationen ausgerüstet, machte ich mich dennoch 2001 auf den Weg in die Wildnis nahe São Paulo. Auf alles gefasst, überraschte mich die Mitteilung von Projektleiter Uwe Weibrecht, dass ich die nächsten Monate bei Guaraní-Indianern verbringen werde, nicht allzu sehr. Nach vorsichtiger beidseitiger Kontaktaufnahme war ich schnell ins dörfliche Geschehen von „Krukutu“ integriert. Es war eine wunderbare und einzigartige Erfahrung mit den Indianern zu leben und zu arbeiten. Neben viel menschlicher Wärme und unauslöschlichen Eindrücken entstand auch eine hölzerne Basisstation, die für mich die Anfänge des Vereins „Martim de Lima“ symbolisch widerspiegeln. Die Grundlagen waren geschaffen und auch einer Wiederkehr stand nichts im Weg.

Im folgenden Jahr waren wir dann schon zwei Wandergesellen, die mit tatkräftiger Unterstützung der Einheimischen ein neues Gebetshaus im indianischen Baustil in „Morro de Saudade“ errichteten. Das Leben im Alltag der Guaraní, besonders die täglichen Gebetsstunden oder auch die Ruhe nach einem tropischen Regenguss bleiben für mich unvergessen. Sehr eindrucksvoll und absolut notwendig waren das Organisations- und Improvisationsvermögen aller Helfer vor Ort, das uns Handwerkern viele nervenaufreibende Stunden ersparte.

Die Neuorientierung des Vereins „ProBrasil“ eröffnete auch ein neues Betätigungsfeld. So war 2005 der Großstadtdschungel mit all seinen sozialen Problemen das Umfeld meiner letzten baulichen Tätigkeit in Brasilien. Neben fachlichen Herausforderungen galt es nun, den Alltag in einer brasilianischen Familie zu meistern. Ab und zu sehnte ich mich schon nach der friedlichen Ruhe der Indianer, obwohl das temperamentvolle, hektisch laute, dabei sehr herzliche Miteinander meiner Gastfamilie mir eine unüberschaubare Menge außergewöhnlicher Erinnerungen einbrachte.

Abgerundet wurden alle Aufenthalte in Brasilien mit einer Fülle sehr schöner und interessanter Ausflüge. Ich möchte mich an dieser Stelle für die Mühen und die selbstlose Herzlichkeit vieler Mitarbeiter von „ProBrasil“ bedanken, die meine Aufenthalte so einzigartig haben werden lassen.

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